Montag, 19. Februar 2018

T-h-e-a-t-e-r und ich {über mich}

In ihrer Linkparty des Monats Februar möchte Astrid etwas über unser Verhältnis zum Theater wissen. Da zähle ich mal keine Fakten, sondern hangele mich an den Buchstaben entlang...  

  


Tatsächlich
kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern, aber meine Eltern erzählen von einem Bühnenauftritt im Kindergartenalter, bei dem ich dem Publikum aber lieber den Rücken zukehrte. Offensichtlich wusste ich damals schon, in welche Richtung ich blicken wollte.

Hatten
wir auch Theaterstücke im Unterricht gelesen, angeschaut haben wir sie uns so gut wie nie.
Leider haben unsere Lehrer nur selten die Gelegenheit ergriffen, mit einer Klasse das Theater zu besuchen. In Erinnerung ist mir da noch die Aufführung von "Maria Stuart" geblieben, die wir in der Nachbarstadt besuchten. Leider musste uns unsere Lehrerin noch vor Ende der Stücks aufscheuchen, damit wir unseren Zug zurück erreichen konnten. Mir war das extrem peinlich...
Beim Schüleraustausch sahen wir uns den 'Midsummer Night's Dream' im Regent's Park in London an. Seitdem liebe ich Shakespeares Sommernachtstraum.
In meiner Gymnasialzeit genossen hauptsächlich die Schülerinnen des neusprachlichen Zweigs die Möglichkeit zum Theaterspiel. Eine Theater AG gab es bei uns nicht. Meine Schule war Theaterwüste pur....

Eigentlich
mochte ich das Theater doch so sehr, da war es doch wunderbar, dass mein Vater bei der Berufsfeuerwehr arbeitete. So bekam er auch immer wieder die Möglichkeit bei Theateraufführungen Dienst zu übernehmen. Toll fand ich es, wenn das Theaterstück für mich geeignet war, so dass ich die Begleitperson sein durfte. Dann konnte ich zunächst meine Großtante begrüßen, die als Garderobiere am Theater angestellt war. Natürlich begleitete ich meinen Vater beim Kontrollgang hinter der Bühne, was stets extrem spannend war. Auf gesonderten, für die Feuerwehr reservierten Plätzen konnten wir dann die Stücke genießen. Ich kann mich auch noch an die lebhaften Diskussionen meiner Eltern über die Aufführungen von Peter Zadek erinnern (da durfte ich aus Altersgründen noch nicht mit...menno...).

Als
Oberstufenschülerin mit Leistungsfach Deutsch las ich aus eigenem Antrieb begeistert viele Dramen der Weltliteratur.  Ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Deutsch-Leistungskurslehrerin erstaunt war, als sie nach unserer derzeitigen Lektüre fragte und von mir Eugene O'Neill "Eines langen Tages Reise in die Nacht" hörte (ihr Erstaunen fand ich sehr merkwürdig, deshalb blieb es mir im Gedächtnis...).

Theater
begeisterte mich in meiner Studentenzeit zunehmend. Im Germanistikstudium hatte ich viele Seminare zu diesem Thema belegt. Am Bochumer Theater hatte ich natürlich ein Abo und konnte die Intendanz von Claus Peymann genießen. Manche Stücke sah ich mehrmals...  Dieses Theater hat mich wirklich sehr geprägt.
Natürlich war ich auch in einer Gruppe des Studententheaters, aber unser Stück "Warten auf Godot" machte dem Namen alle Ehre, es versandete nämlich vor lauter Diskussionen zwischen Ensemble und Regie....

Ein
geduldiges und begeistertes Publikum fand ich über Jahre in meinen Töchtern (und sie in mir umgekehrt auch). Puppen- und Maskentheater geht spontan doch immer....
Als die Kinder größer waren, besuchten wir auf unserer Rundreise durch die griechische Peloponnes  Epidauros und das größte und beeindruckendste antike Theater. Unvergesslich, diese Eindrücke.

Richtig
ausleben konnte ich meine Theaterbegeisterung mit den SchülerInnen in meinen Jahren als Lehrerin.
Der Wunsch selber auf der Bühne zu stehen, bestand bei mir nie wirklich, sondern der, Stücke auf die Bühne zu bringen. Deshalb habe ich eine Ausbildung zur Theaterpädagogin BuT absolviert und mich ein paar Jahre lieber darauf konzentriert. Das Einbinden von Musik und Choreographien habe ich immer sehr geliebt, die großen Bilder erzeugen, die das Publikum lange mit sich tragen kann...  Mit Kindern und Jugendlichen an einem Stück arbeiten - so was wie "Rhythm is it" ist da pure Motivation.

aus einer meiner eigenen Produktionen

"Das Theater unserer Zeit ist mies. 
Selten ist es aber so mies, wie wenn sie diesen elenden Shakespeare spielen."

aus den Tagebüchern des Samuel Pepys 1633 - 1703 

(die Tagebücher des Londoners sollte man mal gelesen haben, aber das ist wieder ein anderes Thema)....
   

Kommentare:

  1. So eine ganz andere Jugendliche Erfahrung mit dem Theater und dann doch ein eigener Weg mit Theateraktivitäten! Das finde ich schon sehr bemerkenswert. Immerhin haben wir Epidauros und den Somnernachtstraum gemeinsam. Und solche langen Titel wie den der langen Reise haben mich auch immer gefesselt ( und wurden bis heute behalten ).
    Danke fürs Mitmachen!
    Eine gute neue Woche!
    Astrid

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  2. Grins, ja der Sommernachtstraum auch noch Jemand, der ihn gerne mag.
    Auch eine interessante Geschichte ist die Deinige, hab vielen Dank, es war interessant zu lesen.

    Lieben Gruß Eva
    eine gute Woche wünsche ich dir.

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  3. Sehr interessant Deine Theater Reise und sicher nicht selbstverständlich, wie sie sich gestaltet hat.
    Manche Wege sind vielleicht doch vorbestimmt.
    Liebe Grüße
    Nina

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  4. ...eine schöne Idee, liebe Andrea,
    dich an den Buchstaben entlang zu hangeln...und interessant, was ich hier so alles über dich erfahre...ich wußte gar nicht, dass du Lehrerin warst,

    liebe Grüße Birgitt

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  5. oh, ich hätte auch gern einen vater gehabt, der bei der feuerwehr war! und ich hätte besser theater- statt sozialpädagogik studieren sollen...
    deine buchstabenidee finde ich klasse!
    liebe grüße
    mano

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  6. Du warst/bist Lehrerin, Andrea?! Eigentlich hätte ich schon selber drauf kommen können.. lächel! Es ist diese vertraute Art Dich mitzuteilen. Viele meiner Freundinnen haben diesen Beruf ergriffen und bereichern mein Leben 1.0. Drücker, Nicole

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