Montag, 14. Januar 2013

Good bye, Sam! - Mach's gut, Sam!



Ein Jahr lang habe ich jetzt Samuel Pepys aufmerksam begleitet. Früh am Morgen bin ich mit ihm ins Amt gegangen, denn es standen Besprechungen mit wichtigen Beamten an, von weitem entdeckten wir die Geliebte des Königs, im Wirtshaus sah ich Samuel ein Butterbier trinken, mit der Mietkutsche holten wir seine Frau vom Schneider ab, um dann im Theater ein Shakespeare Stück anzuschauen.  Nach dem  Abendessen bei Freunden ging es spät nachts heim. Manchmal spielte Samuel dann noch  Flöte oder stenographierte seine Erlebnisse des Tages in sein Tagebuch. Einschließlich des: „und dann ins Bett“.

Ich hatte vor einiger Zeit die Gelegenheit genutzt, dass die Tagebücher, die Pepys von 1660 bis 1669 führte, endlich auf Deutsch in Taschenbuchform erschienen waren (HIER, in 10 Bänden, 4556 Seiten.... Puh!, ach ja Pepys spricht man [piːps] aus ;-). 
Samuel Pepys war ein einflussreicher Beamter des englischen Flottenamtes, der seine Karriere als Schneidersohn startete. Ein glücklicher Aufstieg war das – bis in die aristokratischen Kreise, in direkter Nähe zum Königshof zu gelangen.

Pepys lebte zu einer ereignisreichen Zeit in London: nach der Revolution kehrt der König zurück nach England, die Pest bricht aus,  ein verheerender Brand legt große Teile der City von London in Schutt und Asche. Wach und aufmerksam nahm Pepys die Geschehnisse in Politik, Gesellschaft und den Wissenschaften um sich herum wahr und schrieb sie nieder. So lange, bis ihm beim Schreiben im Kerzenlicht die Augen so sehr schmerzten, dass er das Tagebuchschreiben aufgab. 

Auch der Damenwelt schenkte Pepys große Aufmerksamkeit, was allerdings seiner Frau Elizabeth weniger gefiel. Dass er die junge Französin ohne Mitgift und aus Liebe geheiratet hatte, gehörte damals eher zur Ausnahme. Als sie ihn inflagranti mit einem Dienstmädchen erwischte, scheute sie nicht davor zurück, ihn temperamentvoll mit dem Schürhaken zu bedrohen.
Die Ehe blieb kinderlos, Elizabeth starb mit 29 Jahren, kurz nachdem ihr Mann das Tagebuchschreiben aufgegeben hatte.

Viel Spaß machte mir, über die ganz alltäglichen Erlebnisse zu lesen: die erste Tasse Tee, eine Neuigkeit aus den Kolonien, Pepys Urteil über die neuesten Inszenierungen von Shakespearstücken, die Erkenntnis, dass seine Perücke von 20 Läusen heimgesucht wurde, und vieles, vieles mehr.

Lustig, wie die Briten den Schulkindern ihren Samuel Pepys und seine Zeit nahe bringen: HIER

Der letzte Eintrag ist gelesen. Mach es gut, Sam! Es war toll, dich kennenzulernen!

Kommentare:

  1. Na da macht den Schulkindern sogar Geschichte mal Spaß...oder? LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  2. 10 Bände??? Das ist ja echt mal ein Durchhaltevermögen! Da war er ja wirklich Teil deines Lebens...Liebe Grüße, Anette

    AntwortenLöschen

Bitte kommentiere mit Deinem Namen. Ich behalte mir vor, anonyme Beiträge nicht zu veröffentlichen bzw. zu löschen.
Danke für Dein Verständnis.