Montag, 30. April 2012

Buchthema März / April

Das Buchthema der "Lesenden Minderheit" lautete für die Monate März / April: "Lies ein Buch, dessen Geschichte in Indien spielt!" Natürlich wollte ich gern wieder mit dabei sein. Allerdings war Indien bislang nicht so ganz mein Ding, zumindest was die Literatur betrifft. Aber gut, schauen wir mal, dachte ich. Zunächst stieß ich beim Stöbern im heimischen Bücherregal auf den Roman "Inspector Ghote zerbricht ein Ei" von H.R.F. Keating.



Detective Inspector Ghote vom CID Bombay wird aufs Land geschickt. Mit einem Eierkarton unter dem Arm und als Hühnerfuttermittelvertreter getarnt, soll er die Todesursache der Gattin eines einflussreichen Politikers ermitteln. Allerdings liegt der Tod der Gattin schon fünfzehn Jahre zurück. Niemand in der kleinen Stadt hat daran Interesse, sich mit dem örtlichen Machthaber anzulegen, zumal dieser alle Hebel in Bewegung setzt, um Ghote loszuwerden. Die Lage wird zunehmend brenzliger, da auch noch ein heiliger Mann wegen Ghotes Auftauchen in den Hungerstreik getreten ist und so die Bewohner gegen diesen aufwiegelt. damit der unerwünschte Schnüffler endlich abreist.

Dieser Kriminalroman ließ mich in den ländlichen Alltag, Tradition und Hierarchiedenken und die Prägung durch das  hinduistische Kastenwesen eintauchen.
Da der Roman schon etwas älter ist (1970), war ich natürlich gespannt, wie sich Indien in einem neuen Roman, der in der Großstadt spielt, darstellt:
Manu Joseph: Ernste Männer 

 
Zusammen mit seiner Frau Oja und dem 10 jährigen schwerhörigen Sohn Adi lebt Ayyam Mani in einem heruntergekommenen Wohnblock mit ziemlich desolaten sanitären Einrichtungen. Seine Wohnung besteht nur aus einem kleinen Zimmer, das gleichzeitig Küche, Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer ist.
Seinen knappen Lebensunterhalt verdient sich Ayyan als Sekretär im Institut für Theorie und Forschung in Mumbai. Diese Stelle verdankt er der 15%-Quote, die Dalits den Eintritt in die von Brahmanen beherrschte Arbeitswelt in Indien öffnet.
Seit Jahren sitzt er im Vorzimmer des Institutsleiters Arvind Archary und weiß genau, wie er alles erfährt, was im Institut läuft (notfalls mithilfe etwas unlauterer Mittel...). Während er von seinem Chef und Institutsmitgliedern kaum wahrgenommen wird, wenn er die Post verteilt, Gesprächspartner ankündigt, entgeht ihm kaum etwas in diesem Kosmos aus Lügen und Intrigen. Bald beginnt es im Institut zu brodeln…
Seinem Sohn wünscht er ein besseres Leben und schreckt vor keinem zwielichtigen Trick zurück, ihn als kleines Genie und Wunderkind zu präsentieren.

Das Buch ist frech, mit Witz und Ironie geschrieben. Als Leser kann man in die Gegensätze des modernen Indiens eintauchen: Auf der einen Seite trifft man auf High Tech, Globalisierung, aufstrebende Wissenschaftler und Reichtum, auf der anderen auf Analphabeten, Armut und Aussichtslosigkeit. Man erlebtAufbegehren,Emanzipation, aber auch Annehmen des Schicksals, Kastenwesen, Patriarchat. Alles findet sich in diesem lesenswerten Roman.



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