Sonntag, 25. März 2018

Starke Frauen II {Bücher]

Habt Ihr Lust auf interessante Frauengestalten in den neuen Büchern des Monats März?
Die Autorinnen sind international, sie kommen aus den USA, Norwegen und Japan. 



Lisa Wingate: "Libellenschwestern"
Limes Verlag

Neugierig wartete ich schon auf die Übersetzung des Originals "Before we were yours". Der deutsche Titel klingt etwas trivial und lässt vielleicht nicht diese spannende, berührende Geschichte vermuten, die auf historischen Tatsachen beruht.

Die junge Anwältin Avery Stafford glaubt alles über ihre Politikerfamilie zu wissen, als sie durch Zufall in einem Altersheim auf May trifft. Die alte Dame May und Averys demente Großmutter Judy scheint irgendetwas zu verbinden, was Averys Neugierde weckt. Sie beginnt die Spuren zu verfolgen.

Auf einer zweiten Zeitebene lernen wir die Kinder der jungen Familie Foss kennen, die als Flusszigeuner in den 1930er Jahren auf dem Mississippi leben. Als die Eltern bei der Zwillingsgeburt ins Krankenhaus eilen und ihre anderen Kinder allein auf dem Hausboot lassen müssen, geraten diese unglücklicherweise in die Fänge von Georgia Tann und der Tennessee Children's Home Society in Memphis.

Georgia Tann ist leider keine Fiktion, sie und ihre Organisation haben von 1924 bis 1950 Adoptionen gegen  Bezahlung vermittelt. Allerdings waren die vermittelten Kinder in der Regel keine richtigen Waisen, sondern wurden mit betrügerischen Mitteln den Eltern entzogen oder gar von der Straße weg entführt und in ihre Gewalt gebracht. Die Zahl der betroffenen Kinder ging in die Tausende, manche von ihnen überlebten die harte Behandlung auch nicht.
Oft genug wurden die Machenschaften von den Behörden gedeckt und nicht hinterfragt.
Beispielhaft wird das Geschehen im Roman am Schicksal der Foss-Kinder dargestellt.

Das Buch ist ungemein spannend, berührend und bewegend. Rill Foss, die älteste Tochter führt uns als Ich-Erzählerin durch ihren Handlungsstrang. Mit 12 Jahren übernimmt sie die Verantwortung über die jüngeren Geschwister.

Mehr möchte ich nicht verraten, sondern kann nur empfehlen, dieses mitreißende Buch zu lesen. Das Schicksal dieser Kinder sollte nicht vergessen werden.   




Maja Lunde: "Die Geschichte des Wassers"
btb Verlag

Mit dem deutschen Titel und dem Einband hat der Verlag ganz bewusst Bezug genommen auf Lundes Bestseller "Die Geschichte der Bienen".
Im Norwegischen Original heißt ihr neues Buch allerdings "Blå" - Blau.

Mit "Blau" verbindet man schnell Wasser, Eis, Himmel, im Roman trägt das Segelboot der mittlerweile 70jährigen Umweltaktivistin und Journalistin Signe diesen Namen. Aufgewachsen unweit eines Gletschers an der Küste Norwegen hat sie schon in Kindheit und Jugend hautnah die Zerstörung der Natur zugunsten der Gewinnung von Wasserkraft miterleben müssen. Selbst ihre eigene Familie war zerrissen zwischen Profitgier und der Sorge um die Natur.
Nun soll selbst das letzte Gletschereis noch abgebaut und exportiert werden. Da will Signe einschreiten und geht allein auf diese Mission mit dem Boot auf dem Meer Richtung Frankreich. Währenddessen gehen ihre Erinnerungen zurück in die Zeiten, in denen der sorglose Umgang mit Natur und Wasser begann.

Die Auswirkungen der Klimaveränderung und der zunehmenden Wasserknappheit müssen 2041 die kleine Lou und ihr Vater David erleiden. Sie fliehen vor der Dürre und den Feuerstürmen im unfruchtbar gewordenen Süden Frankreichs Richtung der nördlichen Wasserländer, wo Wassermassen eher Schaden anrichten. Doch diese haben bereits ihre Grenzen vor den Klimaflüchtlingen aus Südeuropa dicht gemacht. Mutter und Bruder haben sie bereits verloren, als sie in einem Flüchtlingslager ankommen. Doch auch hier macht sich Hoffnungslosigkeit breit.

Zwei Handlungsstränge hat Maja Lunde angelegt, die sie am Ende mit einer zarten Hoffnungslinie miteinander verbindet.

Wie schnell liest und hört man über die Berichte über die Gefahren des sorglosen Umgangs mit dem Wasser und des Klimawandels hinweg. Doch eingebunden in eine Geschichte, bei der man sich im Leseprozess mit dem Schicksal und Gefühlen von Figuren identifiziert, reagiert man als Leser/in eher mit Betroffenheit.
Bei Lundes erstem Buch "Die Geschichte der Bienen" hat das auch hervorragend funktioniert.
So sehr mir das Thema "Wasser" am Herzen liegt - in neuen Buch fällt mir das Einfühlen doch leider schwerer.
Berührt haben mich vor allem zwei Frauengestalten, die mutige und bis ins Alter entschlossen handelnde Signe und das kleine Klimaflüchtlingsmädchen Lou.       




Sayara Murata: "Die Ladenhüterin"
aufbau Verlag

Keiko Furukura fällt schon seit ihrer Kindheit auf, dass sie  anders ist als die Menschen in ihrer Umgebung.  Emotionen gehen ihr sämtlich ab, deshalb zieht sie sich in sich zurück und meidet engere Kontakte.
Als sie auf dem Rückweg von der Uni von der Neueröffnung eines für Japan typischen Geschäftes, einem Konbini erfährt, beschließt sie, sich dort als Aushilfe zu bewerben. Konbinis, die Mini-Supermärkte die 24 Stunden, 7 Tage in der Woche geöffnet sind, findet man überall in Japan.
Bald fühlt sich Keiko in ihrer neuen Stelle geborgen, geht auf in der Vielfalt der Gemischtwaren, weiß um alle Serviceleistungen, die der Laden bietet, und sorgt sich um die frischen ongiri und bento.
Ihre Arbeitskleidung wird für sie eine zweite Haut. Sie streift die erlernten Gesichtsausdrücke über, übernimmt die gewünschte Sprechweise und verschmilzt förmlich mit ihrem Konbini. Er schenkt ihr Sicherheit, Lebensinhalt und ein Gerüst für den Alltag. Anstelle einer komplexen Gesellschaft findet sie ihr Glück in der Geborgenheit eines sicheren Mikrokosmos.

Als LeserInnen erfahren wir einiges über die japanische Art des Lebens, in der es irgendwann doch auffällt, als Keiko nun 18 Jahre als Aushilfe tätig ist, keinen erlernten Beruf hat und noch unverheiratet ist. Plötzlich fällt sie doch wieder aus dem gesellschaftlichen Rahmen und wird auch von der Familie und den Freunden  als Sonderling angesehen. Dabei ist doch ihr Wunsch, nicht aufzufallen...

Die Handlung des Romans ist minimal, dafür erhascht man einen Blick auf die japanische Gesellschaft und das kleine gefährdete Glück einer Außenseiterin.


Übrigens:
Alle drei Bucher sind keine Rezensionsexemplare, sondern alle selber gekauft.
Auch wenn mir ein Verlag mal ein Buch zur Rezension überlässt, erlaube ich mir, meine eigene persönliche Meinung als Leserin zu äußern. 

Kommentare:

  1. Guten Morgen. Danke Dir. Die Geschichte des Wassers liegt auch schon parat, so weit weg ist Die dort geschrieben Zukunft ja nicht. Neugierig gemacht hat mich Libellen Schwestern.
    Wünsche ein schönes wärmeres Wochenende
    Liebe Grüße
    Nina

    AntwortenLöschen
  2. was für interessante themen!! danke fürs vorstellen.
    liebe grüße
    mano

    AntwortenLöschen
  3. Das Libellenschwestern Buch geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Hatte mir eine Kindle Leseprobe heruntergeladen. Lesen will ich es aber in echt.

    Viele Grüße, Angelika

    AntwortenLöschen

Bitte kommentiere mit Deinem Namen. Ich behalte mir vor, anonyme Beiträge nicht zu veröffentlichen bzw. zu löschen.
Danke für Dein Verständnis.