Montag, 18. September 2017

Zehn Fakten über den Schulanfang und mich

Astrids  aktuelle Linkparty auf ihrem Blog Le monde de kitchi hat diesen Monat das Thema "Schulanfang", ein feiner Anlass, mal in Erinnerungen zu kramen.

1 Da fange ich gleich mal mit einem Geständnis an: ich kann mich überhaupt nicht an meine Einschulung erinnern. In meiner Erinnerung ist nur ein großer Hund hängen geblieben, der mir damals freilaufend auf dem Weg zur Schule begegnet ist. Natürlich fand ich den Hund grandios, worüber alles andere offensichtlich nur noch nebensächlich blieb (dass mein Berufswunsch Tierärztin war, wisst Ihr ja schon lange...).  

2 Meinen Lederranzen, ein Geschenk meiner Patentante, habe ich noch vor Augen. Im Ranzen befand sich auch eine kleine Tafel, Schwämmchen und ein Griffel. Lesen haben wir gleich mit der Ganzheitsmethode gelernt. Mein Bruder, der wenige Jahre später eingeschult wurde, lernte wieder nach einer vollkommen anderen Methode lesen - eine Herausforderung für die Eltern.

3 Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich gut Namen oder Gesichter einprägen kann, aber wie meine Erstklasslehrerin und meine erste Sitznachbarin  hießen und aussahen, weiß ich heute noch. Vor den ersten Unterrichtsstunden im Turnen graute mir, da musste man sich doch umkleiden. Ein Problem, weil ich noch keine Schleifen binden konnte. Mein Vater erfand daraufhin eine Spezialschleifenbindemethode für mich, eine andere habe ich nie gelernt. (Mittlerweile hat sie den jahrzehntelangen Praxistest überstanden und könnte vielleicht beim Patentamt angemeldet werden, hm.)

4 Meine beiden ersten Schuljahre waren Kurzschuljahre und dauerten nur vom April bis November 1966 und  Dezember bis Juli 1967. Kurz war auch mein Schulweg, den wir immer als Kindergruppe zusammen laufen konnten, ohne eine größere Straße überqueren zu müssen.

5 In der eh schon so kurzen zweiten Klasse fehlte ich gleich 43 Tage, weil ich am Herzen operiert wurde. Eine Zeit im Krankenhaus, an die ich mich noch recht genau erinnere, während die Grundschulzeit eher einem verblassten Foto gleicht. Das Versäumte scheine ich wohl recht gut aufgeholt zu haben, wenn ich mir so meine Zeugnisse anschaue. Bis auf die Handarbeit...

6 Am meisten gehasst habe ich die Handarbeitsstunden, was auch später im Mädchen-Gymnasium so blieb. Wenn die verzweifelten Handarbeitslehrerinnen von damals gewusst hätten, dass ich später Kinder und Enkel einkleiden oder Quilts nähen werde, hätten sie nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Dafür hatte unsere neu gebaute Schule aber ein kleines, feines Schwimmbecken, wo ich im vierten Schuljahr endlich das Schwimmen lernte.

7 Obwohl ich gerne Neues lernte und am Anfang jedes neuen Schuljahres begeistert die neuen Schulbücher aufschlug, hat mich die Unterrichtsrealität immer sehr enttäuscht. Ich bin wirklich nicht gern zur Schule gegangen. Nachdem ich mein Abi in der Hand hatte, schwor ich mir, dieses Schulgebäude nie wieder  im Leben zu betreten, was ich bis heute auch nicht getan habe.

8 Natürlich habe ich zur Einschulung eine Schultüte bekommen, ein Foto im Album meiner Eltern beweist es. Die Schultüten unserer  Töchter haben wir selber gebastelt und mit kleinen, oft selbstgemachten Geschenken gefüllt. Ich sehe gerade - die Mädels trugen zur Einschulung Kleider, die ich selber genäht habe.

9 Meine älteste Tochter wurde in die neue kleine Schule eingeschult, die wir mit anderen Eltern und Lehrern gegründet hatten.

10 Die beiden jüngeren Töchter haben am ersten Schultag einen Schweizer Fellranzen bekommen. "Schulthek" heißt er übrigens dort.


Danke Astrid, für diese kleine Zeitreise!

Kommentare:

  1. wir können uns die hand reichen, liebe andrea! das handarbeits- und sportstundentrauma hat bei mir sehr lange angehalten!! wie gut, dass man in höheren lebensjahren das alles nicht mehr so ernst nimmt!
    liebe grüße
    mano

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  2. Anhand der Kurzschuljahre kann man ja unseren Altersunterschied gut festmachen 😉
    Übrigens habe ich meine Schule, also die, auf der ich Abitur gemacht habe,auch nie wieder betreten. Und die Handarbeitslehrerinnen fand ich durchgehend doof, und die mich nicht talentiert. Zum Glück kann man sich ganz weit fortentwickeln von dem, was die Schule einem angetan hat.😄 Nur die "Bildungsgüter", mit denen ich dort in Kontakt gekommen bin, die bedeuten mir bis heute sehr viel, egal wie miserabel die Lehrerinnen waren.
    Sehr schön das Foto mit der Tochter im Selbstgenähten! Und die Theks kenne ich ja auch...
    Danke fürs Mitmachen und eine gute Woche!
    Astrid

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  3. Spannend, dich wieder ein Stückchen näher kennenzulernen.
    Und wo du Namen erwähnst: Die Namen meine Mitschüler in der Grundschule kann ich fast ausnahmslos aufsagen, die vom Gymnasium (obwohl das viel später war) fallen mir da schwerer. Dass sich dein Vater eine extra Bindemethode für dich ausgedacht hat, klingt wahnsinnig liebevoll. Und sie würde mich jetzt natülich brennend interessieren (heute steht übrigens in den Schulaustattungslisten: Turnschuhe, bitte unbedingt mit Klettverschluss ;-))
    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Danke für den Bericht, du weisst ja schon noch sehr viel, wenn auch nicht vom ersten Schultag.
    Ich hätte auch gerne ein posting geschrieben, aber ich kann mich nicht erinnern, nicht an den ersten Schultag und irgendwie auch kaum an die Grundschule.

    Viele Grüße Angelika

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  5. ...wie schön, liebe Andrea,
    so etwa mehr über dich zu erfahren...bei deiner Aussage zu der gehassten Handarbeitsstunde habe ich tatsächlich nochmal geschaut, ob ich wirklich auf deinem Blog bin...kaum vorstellbar, dass dir das Handarbeiten nicht schon in die Wiege gelegt wurde...Operation am Herzen schon in diesem jungen Alter, das war bestimmt ein einschneidendes Erlebnis...schade, dass du nicht gerne in die Schule gegangen bist, obwohl du so eine große Lernfreude hattest,

    liebe Grüße Birgitt

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  6. Mit Begeisterung lese ich die Artikel zu Astrids Thema.
    Sehr interessant und so unterschiedlich und vielfältig sind die Erfahrungen. Ein Stückchen Lebensgeschichte.
    Die Fellranzen sind ja toll. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas tatsächlich als Gebrauchsgegenstand diente. Macht aber durchaus Sinn in der Alpengegend.
    Lieben Gruß

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  7. Dass Du Dich an eine Herz-OP besser erinnerst als an Deinen Schulanfang, liebe Andrea, wundert mich nicht. So ein kleines Würmchen und schon eine Herz-OP.. herrje!! Der Schultornister lässt mich schmunzeln. Fell und Leder - ist das ein Klassiker in der Schweiz? Ich hätte mich wahrscheinlich als kleines Mädchen geweigert ihn zu tragen. Ganz liebe Grüße, Nicole (die bei einer Schleife (immer noch) zwei Öhrchen knüpft und sie dann miteinander verknotet.. Kindergartenschummelei ;))))

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  8. eine schöne Zeitreise, danke fürs Mitnehmen! Ich kann mich an meinen 1. Schultag nur wenige Jahre nach dir eigentlich auch nicht erinnern, ich bin gerade am Überlegen, ob nicht doch etwas dämmert ;-)
    lg

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  9. Ist das interessant! So unterschiedlich sind all diese Schul- und Lebensgeschichten. Ich bin nun genauso gespannt auf die Spezialbindetechnik wie 7vor7, lach. Eine HerzOP in der zweiten Klasse, wie hart. Handarbeit in der Grundschule war mir ebenfalls ein Horror.... Liebe Grüße, Eva

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  10. Kurzschuljahre... das hab ich ja noch nie gehört!

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  11. wo hast du sie gekauft .ich habe ein Schweizer Schulthek(RANZEN,TORNISTER) Museum . daher würde es mich interessieren wo man die im Ausland kaufen kann .
    LIEBE GRÜSSE MIKE OEHY

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    1. Da wir direkt an der Schweizer Grenze wohnen, haben wir sie natürlich in der Schweiz gekauft. Die Kinder waren damals auch im Schweizer Chindski.
      Liebe Grüße
      Andrea

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    2. ok cool . besten dank für die info .

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