Mittwoch, 9. November 2016

[MMI] Wir gehen in den Untergrund!



Zunächst aber erst einmal nur in das wunderbare große unterirdische "Kunstmuseum" Lissabons.
Wie das Museum heißt? Metro!
Dafür solltet Ihr Euch eine "Viva Viagem"-Karte für fünfzig Cent kaufen, sie an einem der blauen Automaten, die gleich hinter den ersten Treppen, die in die Tiefe führen, aufladen. Am besten mit der Tageskarte, dann könnt Ihr 24 Stunden unbegrenzt unter- und überirdisch alle öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt nutzen. Heute bleiben wir damit aber einfach hier unten. Wenn wir an der höher gelegenen Station Baixa-Chiado einsteigen, tauchen wir ganz besonders tief ein...


Es ist egal ob ihr mit der blauen Linie, jene mit der Möwe, oder der Sonnenblumengelben, der grünen Linie, mit dem Segelbootsymbol oder dem Kompass der roten Linie folgt, Hauptsache, ihr steigt an möglichst vielen Stationen aus. Schaut, bewundert, guckt... Und dann wieder in die nächste Bahn einsteigen. Weiter bis zur nächsten Station, usw. usw.
Natürlich verlassen wir die Stationen nicht, sondern bestaunen diese jeweils so unterschiedlich gestalteten Fliesenwände. Denn hier lebt die alte Tradition der Lissaboner Azulejos (Kacheln) in moderner Variante wieder auf.  



Rasch, da kommt die nächste Bahn, ja, die fahren links. Rein, und weiter geht's....

Auf die Initiative des ersten Geschäftsführers der Metro Francisco de Mello e Castro wurden seit der Eröffnung der Untergrundbahn die meisten Stationen mit Fliesenkunstwerken geschmückt.
Die meisten stammen von seiner Frau der Künstlerin Maria Keil und dem Architekten Francisco Keil do Amaral. 19 Stationen gestaltete Maria Keil allein und belebte die Kunst der Azulejos neu.
Später kamen noch viele weitere namhafte Künstler hinzu (wer es ganz genau wissen will, findet hier alle Namen, Motive und Stationen).



Hm, hier kann oben die Stierkampfarena, Campo Pequeno, nicht weit sein.




Ganz international und hochkarätig (u.a. unter Mitwirkung von F. Hundertwasser) wurde die Gestaltung der Station Oriente anlässlich der Expo 1998 vergeben. Diese liegt direkt beim Expo-Gelände, dem Park der Nationen.  




Oft kämpft man beim Fotografieren mit dem Licht, manchmal mit dem fehlenden Abstand - eigentlich wäre es besser auf der anderen Seite der Schienen zu stehen...



Spannend sind auch die historischen Motive z.B. an der Station Martim Monitz, am Rande der Alfama. Diese verwinkelte, labyrinthartige Altstadt stellte zur Zeit der Mauren den Stadtkern Lissabons dar.







Bartolomeu Lourenco de Gusmao entwickelte 1709 einen flugfähigen Ballon ("Passarola"), den er vor den Augen der königlichen Familie testete. Nur zwei der fünf Vorführungen waren von Erfolg gekrönt. Den Prototyp konnte er leider nicht perfektionieren, da er aus Lissabon fliehen musste, die Inquisition bezichtigte ihn der Hexerei...



Ja, sogar den guten alten Goethe kann man hier unten treffen. 6 Jahre alt war er erst, als 1755 das große Erdbeben Lissabon zum großen Teil zerstörte. In seinen Memoiren "Dichtung und Wahrheit" schildert Goethe, wie sein kindliches Gottvertrauen von der Nachricht des Bebens erschüttert wurde.


Gleich daneben sitzt der Retter Lissabon, Marques Pombal, ein wenig erschöpft über seinen Plänen für den Wiederaufbau der Stadt.



So mag ich Pombal am liebsten. Man möchte ihm gern aufmunternd auf die Schulter klopfen...
Jetzt seid Ihr müde von der Bilderflut? Dabei habt Ihr erst einen Bruchteil gesehen und noch gar nicht mein Lieblingskunstwerk. Mit dem muss ich mich aufgrund seiner Größe fototechnisch noch auseinandersetzen. Vielleicht sollte ich mich von der Decke aus abseilen...

Also geht es jetzt wieder aufwärts ans natürliche Licht.


Mittwochs mag ich die Lissaboner Metro. Aber auch an all den anderen Tagen der Woche.

verlinkt bei Frollein Pfaus MMI Aktion


Kommentare:

  1. ganz wunderschön!!
    es wird Zeit, dass ich wieder nach Lissabon komme (ist eh schon länger geplant), lg

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  2. Nein, wir sind gar nicht müde! Mehr, mehr! :D

    Toll, dass man U-Bahnstationen auch so kunstvoll gestalten kann. Das muss das allgemeine Lebensgefühl doch sehr heben, wenn man sich morgens auf dem Weg ins Büro so was angucken kann, statt Plakate mit dem Tech-Nick...
    Am besten gefällt mir glaube ich der kleine dicke Bischof. =)

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  3. Huhu,

    ja, die Lissaboner Metro ist schon was ganz besonderes... Sag mal, hattest du dich irgendwo schlau gemacht wegen Fotografie-Erlaubnis? Davon hab ich nämlich vor einiger Zeit auf einem anderen Blog gelesen, dass Fotos dieser U-Bahn-Stationen eine Erlaubnis benötigen.

    Liebe Grüße

    Rea

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  4. Wow, da macht U-Bahn fahren doch wirklich Spaß, wenn die Stationen so kunstvoll aussehen.
    Liebe Grüße
    Anette

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  5. Die Kacheln sind geistig schon gepeichert für die Weihnachtspost!

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  6. ...wow, was für eine beeindruckende Vielfalt, liebe Andra,
    und das sind noch nicht all?...dann kann man sich in Lissabon bei Regenwetter zum Beispiel herrlich mit den Bahnhöfen befassen...und die Stadt für schönes Wetter lassen...ich schaue mir gerne noch mehr an,

    liebe Grüße Birgitt

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  7. Was für ein wunderbares Museum die U-Bahn in Lissabon ist. Beim nächsten Besuch werden wir das auf keinen Fall verpassen.
    Lieben Gruß
    Katala

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  8. Das ist ja wohl allerallerwunderbarst!!! Die Goethe-Stelle aus Dichtung und Wahrheit kenne ich inzwischen, hatten wir dieses Jahr als Hörbuch bei längeren Autofahrten, so spannend, detailreich und immer wieder verblüffend seine genauen Kindheitserinnerungen an Frankfurt/M. Lieben Gruß Ghislana

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  9. Liebe Andrea,
    das ist eine sehr schöne und auch interessante Reise durch den Untergrund Lissabons. Für mich ist das Alles neu.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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