Donnerstag, 3. November 2016

In Lissabon gilt es, Profil zu zeigen

...vor allem bei den Schuhen. Warum?

Calcida portuguesa bewährtes Schuhwerk 
Es ist die "Calçada portuguesa"auf der ich hier stehe. Mit flachen Schuhen, die sich schon mehrfach auf diesem Pflaster bewährt haben.

Dieser Gehweg ist eine portugiesische Spezialität, die meist aus handbearbeitetem weißen Kalkstein und schwarzem vulkanischen Basalt besteht. Römische Vorbilder inspirierten vermutlich diese künstlerische Steinlegetechnik. Planmäßig angewendet wurde sie zum ersten Mal auf Geheiß des Königs Manuel (des Glücklichen 1469 - 1521) im Bereich des Hieronymusklosters und des Torre de Belém.

Antikes Pflaster, auf einer gerade frisch freigelegten Fläche vor der Casa das Bicas
Nach dem großen Erdbeben am 1. November 1755 wurden im Zuge des Wiederaufbaus großer Teile Lissabons Mosaikpflaster gelegt. 1842 ließ General Eusebio Furtado an der S. Jorge Burg ein kunstvolles schwarzweißes Zickzackmuster legen, von nun an eroberte die Musterbegeisterung die Stadt Lissabon.

Pflaster des Rossio frisch angefeuchtet
Rossio - Detail

Innerhalb von 323 Tagen wurde im Jahre 1849 nun auf dem 8712 qm großen Rossio-Platz das berühmte Wellenmuster gelegt - das "Largo Mar" (großes Meer) zu Ehren der portugiesischen Entdeckungen (siehe auch meine gestrigen Fotos).
Weitere Alleen und Plätze folgten. Ganz Portugal ließ sich davon inspirieren.

Das Lissabonner Stadwappen - ein Schiff mit zwei Raben - wird bei einer Baumaßnahme verschont
Man achte auf die ungleichmäßigen Steine

Die verwendeten Muster sind vielfältig. Nautische Motive sind aus geschichtlichen Gründen beliebt: z.B. Karavellen, Anker, Wellen, Sterne, aber auch floreale und geometrische Muster sind zahlreich.

Berühmt ist das Pflaster auf dem Platz der Entdeckungen vor dem Padrao dos Descobrimentos in Belém.

Für diesen Blick muss man oben auf dem Padrao stehen...
Geschaffen werden diese Kunstwerke von den sogenannten "Calceteiros" - in mühevoller Kleinarbeit. Auf einem sandigen Untergrund wird eine Schablone gelegt, auf die dann zunächst die weißen und danach die schwarzen Steine des Musters gesetzt werden, natürlich ohne Zement o.ä.. Die Formung der Steine richtet sich meist nach dem Muster. Oft ist in den Ornamenten auch ein Signet des jeweiligen Handwerkbetriebs eingefügt.

Wie ein Musterteppich auf dem Pflaster ausgerollt

Auf der Praca dos Restauradores deckt das Laub einen Herbstschleier über das Muster
Als der Beruf des Steinsetzers in die Gefahr geriet, auszusterben, gründete die Stadt Lissabon 1986 die Escola de Calceteiros, die Schule der Pflasterer. Trotzdem herrscht weiterhin Nachwuchsmangel für dieses körperlich sehr anstrengende Handwerk, das Lissabon so dringend für die Erhaltung des Pflasters braucht.

Moderne Variante im Park der Nationen
Doch haben diese kunstvollen Gehwege und Plätze nicht nur Freunde in Lissabon, gelten sie doch auch als das "Pflaster der Frakturen". Gerade bei Nässe gerät man schnell in Gefahr auszurutschen und zu stürzen. Das Pflaster ist dann sehr glatt - und uneben ist es sowie so schon. Auch bei starken Steigungen, die in der Sieben-Hügel-Stadt eher die Regel sind, kann es schnell rutschig werden.
High-Heels verbieten sich eigentlich von selbst, aber auch mit kleinen, dünnen Absätzen möchte ich hier nicht durch die Gassen stöckeln.    
Und wenn es nass wird - Profil zeigen. Oder mit der Straßenbahn fahren.
Aber das ist wieder ein anders Thema, von der berichte ich demnächst.  

Pflastergeometrie





Kommentare:

  1. Ich kenne dies Musterei ja nur von Madeira...und ja, meine geliebten spanischen C*amper-Schuhe sind dann bei Regen eine Katastrophe.
    Eine tolle Sammlung bietest du uns heute!
    Danke & liebe Grüße!
    Astrid

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  2. ...wundervolle Kunstwerke auf der Straße hast du da eingesammelt, liebe Andrea,
    weiß man da noch, wo man hinschauen soll? auf den Boden oder auf die Sehenswürdigkeiten, die an den Straßen und Plätzen stehen?...sicher braucht man Zeit für eine ausgiebige Stadterkundung...meine Schuhe wären da wohl kein Problem, denn Absatz trage ich sowieso nicht...

    wünsche dir einen guten Tag,
    liebe Grüße Birgitt

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  3. Was für ein toller Straßenbelag. Aber okay, mit Highheels möchte ich da
    nicht unterwegs sein (okay, bin ich sowieso nie ;-)
    Liebe Grüße und einen schönen Urlaub
    Jutta

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  4. Wunderschön sind diese Pflaster. Wieso sind sie mir nicht aufgefallen, als wir in Lissabon waren? Wahrscheinlich war ich zu sehr auf die Kacheln an den Häusern fixiert.
    Lieben Gruß
    Katala

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    1. Ja, die Kacheln, über die erzähle ich demnächst auch noch.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  5. Der Blick von oben ist eine Offenbarung! Die Ameisen-Menschen auf dem opulenten Muster - großartig.
    Solche Straßenbahnen kenne ich noch aus meiner Kindheit, ähnlich sind sie auch in Dresden gefahren.
    Liebe Grüße

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  6. Unglaublich!! Was für eine herrliche Arbeit.. schau nur, wie winzig klein die Menschen ausschauen.. was muss der Künstler für ein Augenmaß haben.. so im kleinen Großen (oder großen Kleinen) zu denken!! Total schön! Ganz liebe Grüße, Nicole

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  7. Was für eine tolle, wenn auch anstrengende Arbeit. Die Bilder sind klasse geworden.
    Liebe Grüße
    Anette

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  8. Der Blick auf die SChuhe ist schon fein... aber von weiter oben!!! Woooow!!!!

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  9. an solchen schönen pflasterungen kann ich mich gar nicht sattsehen! hoffen wir mal, dass sich doch noch genug nachwuchs findet, der diese herrlichen plätze erhalten wird!
    lieben gruß von mano

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  10. ja, sooo schön!!
    Ich bin in Lissabon (vor einigen Jahren) entweder mit Blick nach UNTEN durch die Straßen und Plätze spaziert oder mit Blick nach OBEN auf die gekachelten Häuserfassaden...
    lg

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  11. Herrliche Arbeiten! lang ist's her, dass ich dort war…
    Liebe Grüße aus der Pariser Novembertraufe und ein nettes Wochenende!

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