Samstag, 17. September 2016

Ade Sonnenbank...

"Die Sonne geht flach und rot unter...
Dämmerung, ein violettes Dämmerlicht über Mandarinenhainen und langgestreckten Melonenfeldern,
die Sonne von einer Farbe wie ausgepresste Weintrauben,
durchbrochen von Burgunderrot,
die Felder in den Farben 
von Liebe und spanischen Mysterien."

Jack Kerouac (aus "Unterwegs")




ja, es sieht aus, als müssten wir uns nun allmählich von unseren Sonnenuntergangsfarben verabschieden. Der gestrige Abend, grau und nass, verführte nicht zu lauschigen Dämmerungsrunden. Auch der Hund rollte sich lieber im Körbchen ein. Es wird Herrrrrbst....

Eigentlich sind wir immer den Sonnenuntergang hineingelaufen. Warum haben wir uns nicht einmal hingesetzt und uns dem Schauspiel ganz hingegeben? Zum einen weil sich keine Sitzgelegenheit bot und zum anderen, weil sonst die Schnaken (regionaltypischer Begriff für die heimtückischen Stechmücken)  über uns hergefallen wären. Doch nun neigt sich die Zeit der kleinen Blutsaugern dem Ende zu und - endlich hatten wir in dieser Woche  das Glück, wenigstens einmal eine begehrte freie Sonnen(untergangs)bank zu erwischen. (Man trifft dort recht unterschiedliche Leute an, die sich für diesen Genuss noch einmal zur Dämmerstunde auf den Weg machen. Auch welche, die munter und kernig mit dem Geländewagen bis direkt davor rollen, oder andere, die sich von lieben Mitmenschen mit dem Rollstuhl über den holprigen Weg bis zur Aussichtsstelle schieben lassen.)


Die Sonne hat es gerade eilig, sich dem Horizont zu nähern, also müssen wir uns ein bisschen sputen. An der Pferdekoppel, den bunten Bienenhäusern, dem hohen Maisfeld und der Wiese vorbei, Sonne und Hegauvulkane immer im Blick.


Ha, ich glaub es nicht, tatsächlich, sie ist frei! Herr Holunder kontrolliert, ob die Hegauvulkane auch vollständig versammelt sind, während der Lockenhund  schon längst weiß, wer sich hier den Tag über herumgetrieben hat.
Leute, hinsetzen!!! Wer weiß, ob wir den Sonnenuntergang  in diesem September noch einmal so schön sommerwarm genießen dürfen.


Brav. Aber besser angeleint. Hier sagen sich auch Fuchs und Has' gleich gute Nacht...


Blick auf Radolfzell, den Markelfinger Winkel (Teil des Bodensees) und den Hegau. Schweigen...


Allmählich wird es dunkler und die Aufmerksamkeit des Lockenhundes wendet sich anderen Eindrücken zu. Ähem...


Okay, es mag kitschig sein -  wenn es vielleicht als Gemälde über dem Wohnzimmersofa hängt. Doch ich kann mich nicht satt sehen. Ich lass mich einnehmen von den Farben, dem Sinken, dem Zauber, der über der Landschaft liegt und plötzlich kommen mir die ganzen Querelen auf der Erde so unbedeutend vor. Was bilden wir Menschen uns eigentlich ein, von wegen "Krone der Schöpfung", ha?! Wir sind nichts als eine winzig kleine Randepisode auf einem Planeten, der um die Sonne kreist.      


Und jetzt schnell zurück, eh uns die Finsternis einholt.
Äh, das bezog sich jetzt auf die Abendrunde. Die Geschichte der Menschheit hangelt sich schon immer am Rande der Finsternis entlang... aber das ist eine andere Geschichte.

verlinkt bei Katjas samstäglicher Himmelsrunde.

Kommentare:

  1. Was für ein Ausblick...wunderschön! Ich habe es leider diese Woche nicht mehr an den See am Abend geschafft...zumindest nicht zum Sonnenuntergang, denn leider geht die Sonne für meine Arbeitszeiten eigentlich schon zu früh unter...;-). Über die Geschichte der Menschheit mag ich heute eigentlich nichts sagen...nur, dass man ganz offensichtlich einfach nicht klüger wird. Ein schönes Wochenende. LG Lotta.

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  2. Ach, wie schön! So ein See zum Spieheln und Dunst machen hebt einen Sonnenuntergang natürlich enorm!
    Das letzte Bild mag ich besonders gerne. =)

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  3. Atemberaubend!!!... und ich empfand das eben auch so! Man kann sich das vll kaum vorstellen, aber mit einigen wenigen Bildern geht es mir so und jetzt sind ein ein paar mehr. Herzlich danke für dieses Morgenerlebnis eines Abends.

    Lieben Gruß

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  4. Gut gebrüllt, Löwin...:)) ♥nic

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  5. Es kommt eine Zeit
    da hat die Sonne
    alle Arbeit getan
    Die Äpfel sind rot
    Die Birnen sind gelb
    und die Marktfrauen rufen
    Pflaumen schöne Pflaumen

    Es kommt eine Zeit
    da wird die Sonne müde
    und immer kleiner

    So klein wie eine Orange
    die nach Afrika zurückrollt
    wie ein Taler
    der von einer Hand zur andern wandert
    wie der Knopf
    vom Matrosenkleid

    So klein wird die Sonne
    daß der Himmel sie nicht mehr halten kann

    Sie rollt übers Dach
    rollt hintern Berg
    jetzt kann sie keiner mehr sehen
    [...villeicht auch weil sie in den See gefallen ist...]

    Elisabeth Borchers

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    1. Sooo schön! Danke, liebe Eva!
      Liebe Grüße
      Andrea

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  6. Eine Augenweide die wohl jeden sentimental werden lässt.
    Das letzte Bild ist einfach nur wunderschön.
    L G Pia

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  7. ...so eine wundervolle Stimmung, liebe Andrea,
    hast du da eingefangen...die kann man gut schweigend genießen...schön, dein Text dazu,

    liebe Grüße Birgitt

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  8. Wunderbare Bilder, wow! Wir haben ja das Glück, vom Wohnzimmer aus durch die bodentiefen Fenster den Sonnenuntergang sehen zu können *lach*. Ja, das Wetter hat gewechselt, schade für die Tochter, die nächste Woche Klassenfahrt nach Berlin hat. Grmpf. Wünschen wir ihnen mal, dass es wenigstens überwiegend trocken bleibt.
    liebe Grüße von Petra

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  9. Herrlich! danke, denn hier nur Grau… (aber endlich auch angenehme Kühle…)
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!

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  10. Was für ein schöner Ort um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, liebe Andrea! Eine Sonnenbank. Wir sind doch alle einbissel wie die kleine Maus und sammeln für den Winter die Farben und die Sonnenstrahlen ein, nicht wahr?! Ganz liebe Grüße, Nicole (die jetzt noch einmal Deine wunderwunderschönen Fotos anschaut!)

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  11. ..wunderschöne Abendstimmung mit der untergehenden Sonne!!!
    LG Christiane

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