Donnerstag, 16. Juni 2016

Blickwinkel Vermont No. 7 - Wildlife encounter ...oder: wer steht nachts in Vermont vor der Türe, wenn es klopft?

Tochter-Post aus Vermont!!

Hier eine kleine Geschichte die sich gestern Abend zugetragen hat:

Vor einem halben Jahr zogen wir in ein Haus an einem Waldrand. Vor dem Haus standen Mülltonnen, was schon an sich komisch war, Vermonter benutzen eigentlich keine Plastik-Mülltonnen, sondern solche aus Metall, aber die Hausbesitzer sind aus New Jersey....
Ich hatte mich gewundert, dass die Mülltonnen Löcher an der unteren Seite hatten. 

Der Waldrand. Wir wohnen im Erdgeschoss.

Wir haben sie immer für Recycling verwendet und den übrigen Müll in einer luftdicht verschließbaren Metalltonne gelagert. Bis auf gestern. Ich wollte die Metalltonne mal wieder sauber machen und hab den Müllsack in eine der Plastiktonnen getan und die Sache dann vergessen.

Ihr wisst sicher schon was jetzt kommt. Genau, ganz richtig. 

Mein Mann und ich wollten gerade ins Bett, da hörten wir ein Rumpeln. Ich eilte zu den Kindern um zu sehen was da los sei, als ich zurück von den schlafenden Kindern kam, stand mein Mann mit einer Taschenlampe einen Meter vom Wohnzinmmerfenster entfernt und sagte "da ist ein Bär in unserem Müll". 
Und tatsächlich, keine 30 cm vom Fenster entfernt war ein sehr großer, wohl genährter männlicher Schwarzbär (click). Er fand das Licht der Taschenlampe etwas irritierend (daher wussten wir, dass es ein gesunder Bär war, das ist schon mal sehr beruhigend, die greifen in der Regel keine Menschen an) und zog MIT DER GANZEN MÜLLTONNE auf den Parkplatz ab! 

Dort vergrößerte er das Loch in der Tonne (aha, daher also die Löcher)
Mein Mann öffnete das Fenster direkt neben dem Bären auf dem Parkplatz, wo dieser genüsslich den Kompost aß und ließ es wieder zuknallen, das wiederholte er bis der Bär sich mit einem Teil des Mülls etwas zurück gezogen hatte.  Dann ist er raus gegangen (okay, in dem Moment hatte ich schon ein bisschen Angst, auch wenn ich wusste dass das die einzige Möglichkeit war) und hat mit einer Schaufel und Brüllen dem Bären klar gemacht dass es hier kein ruhiges Müll-Mahl gibt. 
Einen Moment lang wurde er nervös als der Bär sich bewegte und mein Mann nur hören konnte, dass er sich auf der Stelle bewegte (die Tatze hob oder sich aufrichtete)... aber dann entfernte sich der Bär. Vielleicht hätte man an der Stelle ein Luftgewehr benutzen können, aber wir sind eine der sehr wenigen Vermonter Familien, die keine Gewehre im Haus haben und es auch nach gestern Abend nicht für nötig halten. 
Die Kinder haben friedlich geschlafen :-)
Heute früh musste ich erst mal den Parkplatz sauber machen und einen Teil des Mülls aus dem Wald sammeln der ja direkt hinter dem Parkplatz am Haus anfängt. Der Fehler mit der falschen Mülltonne passiert mir nicht noch mal... 

Das Loch in der Plastiktonne, in der sich der Müll befand. Mit dem Fuß meiner Sechsjährigen als Vergleich

Da Bären keine Hunde mögen, nähern sie sich Häusern mit Hunden seltener (sie klettern ja so gut weil sie von Kojoten gejagt werden), trotzdem hat hier niemand einen Komposthaufen näher als 20m am Haus. Die meisten Leute ohne Hunde haben gar keinen Komposthaufen.
Und Bienenstöcke sind immer mit Stromzäunen gesichert.
Man kann schon mit wilden Tieren leben, man muss sie nur etwas kennen. 
Das war echt spannend. 
Und meine Große war etwas enttäuscht, nicht aufgewacht zu sein... :-) 

Liebe Grüße von Liv


Kommentare:

  1. Verrückt! Geschichten aus einer anderen Welt.
    Wenn ich mir das vorstelle...so ein großer Bär.
    Ob die Kinder jetzt nachts Wache am Fenster stehen ;-)
    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Was für ein Erlebnis!!! So spannend und aufregend und schön, solch eine Begegnung. Ja, ich wäre wohl auch traurig gewesen, wenn ich als Kind nicht aufgewacht wäre... An die Geschichte werde ich jetzt wohl immer mal denken müssen, wenn ich vergesse die Mülltonne mit Spannriemen zu sichern, an den Kompost darf "unser" alter Griesgram-Waschbär-Einzelgänger, da wache ich auch schon mal auf, wenn er dort rumpelt... Lieben Gruß Ghislana

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  3. Welch schönes Abenteuer mit freundlichem Ausgang!
    LG
    Astrid

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  4. Schau an...Da sieht man mal wieder, dass auch der Mensch sich an die Natur anpassen muss...ob es ihm nun gefällt oder nicht...;-). Liebe Grüße, Lotta.

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  5. Was für ein Erlebniss, liebe Liv! Es ist wie aus einer anderen Welt! Ich finde es ganz schön mutig von Deinem Mann mit der Schaufel den Bär zu verjagen.. also, ich hätte es mich nicht getraut (und meinen GG hätte ich wahrscheinlich nicht nach draußen gelassen.. ich Schisser!!) Ganz liebe und staunende Grüße, Nicole

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  6. Bär! In der Nachlese klingt das ja sehr amüsant!

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