Sonntag, 13. Januar 2013

Buchbesprechung: Lauren Oliver - Delirium & Pandemonium


Dystopien sind in Mode. Es sind so genannte Anti-Utopien, die in einer zukünftigen Welt spielen, in der sich die menschliche Gesellschaft zum Negativen hin entwickelt hat.
Um in diesem Themenbereich aufzufallen, muss man sich als Autor heute etwas einfallen lassen.
Lauren Oliver ist das in ihrer Amor-Trilogie, von denen bisher die ersten beiden Teile Delirium und Pandemonium erschienen sind, gelungen,
Delirium
Die 17 jährige Lena lebt in Portland in einer diktatorisch geprägten USA der Zukunft. Das Hauptaugenmerk der Obrigkeit scheint auf der Ausrottung der Seuche Amor Deliria Nervosa – in früheren, barbarischen Zeiten als „Liebe“ bekannt – zu liegen. In ihr wird die Ursache sämtlicher früherer gesellschaftlichen Probleme und Katastrophen gesehen. Mit starken Repressionen und absoluter sozialer Kontrolle wird dafür gesorgt, dass an jedem Bürger um den 18. Geburtstag herum ein medizinischer Eingriff vorgenommen wird, der „Heilung“ verspricht und ihn in ein willfähriges Mitglied der Gesellschaft verwandelt. Danach wird der zukünftige Lebenspartner und Beruf zugewiesen, so dass das Leben in geregelten Bahnen verlaufen kann.

Eingriffe vor dem 18. Geburtstag sind gefährlich, so dass in dem Land eigentlich nur zwei verschiedene Menschengruppen zu leben scheinen  die meist jungen, potenziell Gefährdeten und die Geheilten, die nach dem Eingriff immun und handhabbar sind.
Lena steht dieser Eingriff demnächst bevor. Sie sehnt sich danach, weil er Glück und Sicherheit verspricht. Lange genug hat sie unter dem Makel gelitten, dass sie ihre Mutter durch die Folgen dieser Krankheit verlor. Ihre Freundin Hana verwirrt sie, durch den Gedanken, dass es im Leben ohne den Schmerz, den Liebe mit sich bringt, kein Glück geben kann. Hana scheint störrisch, stellt Fragen.
Kurz vor ihrem Eingriff gerät Lenas Weltbild ins Wanken.

Ich fand die Idee der „lebensgefährlichen“ (gesellschaftsgefährdenden)  Krankheit „Amor Deliria Nervosa“ spannend. Im  ersten Band begann allmählich ein eindrucksvolles Gesellschaftssystem vor meinen Augen zu entstehen, in dem sich die von Selbstzweifeln geplagte junge Lena zu emanzipieren versuchte. 
Sehr passend waren auch die Auszüge aus den wissenschaftlichen Werken der Gesellschaft und die Kinderreime, die die Kapitel einleiteten. Natürlich endete "Delirium" mit einem Cliffhanger. 

Pandemonium
Nun war es natürlich interessant, wie der Band Pandemonium das Geschehen weiterführt.
Der Aufbau ist durch den Wechsel von Rückblenden und Erzählzeit vollkommen anders und sehr bewegt. Durch den Überlebenskampf, die ständige Bedrohung von Außen, wilde Verfolgungsjagden ist das Buch natürlich spannend. Man lernt die Seite hinter dem Zaun, der das Staatsgebiet umgibt, und die so genannten Staatsfeinde kennen.
Was mich etwas genervt hat, war, dass ich als Leser zwar über die verschiedenen verfeindeten Untergrundkämpfer erfahren durfte, aber von dem Staat aus dem Lena floh und der eigentlich der Auslöser der Handlung ist, nicht mehr weiß, als dass dieser die Krankheit  Amor Deliria Nervosa auslöschen will. Es ist von kontrollierenden Aufsehern, Gefängniswärtern, Polizeitruppen und einer Organisation, die den Heilungseingriff vorziehen möchte, die Rede. Ansonsten tappt der Leser im Dunklen. Was will dieser Staat und wer steckt dahinter? 

Ob da der dritte Band Licht hineinbringt oder sich nur in Verfolgungsjagden und Beziehungsverwicklungen, die diese gefährliche Krankheit, die Liebe,  mit sich bringt, verliert?
Ich bin gespannt.
  


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte kommentiere mit Deinem Namen. Ich behalte mir vor, anonyme Beiträge nicht zu veröffentlichen bzw. zu löschen.
Danke für Dein Verständnis.