Mittwoch, 7. November 2012

Paket-Odyssee


Als Jugendliche hatte ich Brieffreundinnen in Wales und in Finnland. Ich hab wahnsinnig gerne Post bekommen und mich wie ein Schneekönig gefreut, wenn wieder ein Luftpostbrief im Kasten lag. Manchmal waren auch Fotos oder Karten dabei. Einfach großartig!
Den Briefträger kannte man persönlich, er kam zu Fuß oder mit dem Fahrrad meist um dieselbe Tageszeit. Er wusste auch, wo ein Brief richtig einzuwerfen war, wenn mal auf der Adresse die Hausnummer verdreht worden war.

Nicht, dass ich mich heute nicht mehr über Post freue. Doch die meiste Korrespondenz erfolgt per Email. Im Briefkasten liegen meist Rechnungen, Langweiliges von der Autoversicherung, lästige Werbebriefe… Schön, wenn dann mal eine abonnierte Zeitschrift gebracht wird oder ein Päckchen mit bestellten Kleinigkeiten.
Die Briefträger wechseln fast täglich und kommen zu unterschiedlichen Zeiten. Mal finde ich meine Pakete vor meiner Haustür, in den Briefkasten gerammt, auf der Biotonne, im Kellerabgang… Vielleicht sollte ich den Hund auf die Paketsuche abrichten?

Damals wie heute packe ich gerne Pakete und verschicke sie. Es macht Spaß, liebevoll die Sachen zusammenzusuchen und einzupacken. Dabei male ich mir schon aus, wie der Empfänger die Sachen auspackt und sich freut. Nur zwischen dem Moment des Einpackens und versandfertig Zusammenschnürens und dem Augenblick der Zustellung liegt die gefahrvolle Reise mit dem Versanddienst.
Die Zeiten, in denen ich vertrauensvoll mit dem Paket zum Postschalter ging, sind schon lange Jahre vorbei. In unserem Ort gibt es keine Post mehr, die Zahl der Briefkästen kann ich leicht an einer Hand abzählen und es bleiben noch Finger frei.

Der Weg der Päckchen und Paket scheinen dem Irrweg des Odysseus ähnlich zu sein. Die Versanddauer ist unzuverlässig und immer wieder taucht ein Paket in irgendeinem Abgrund auf Nimmerwiedersehen unter, manchmal kurz vor dem Ziel. Zum Beispiel jenes, was der Postbote zwar mit Zettel im Briefkasten als abholbereit in der Poststelle ankündigte, dort aber offensichtlich nie angekommen ist. Oder Post, die in Mietshäuser bequem einfach auf die Treppe geworfen wurde und nicht mehr wiedergesehen ward. 
Kurz – schon seit längerem versende ich innerhalb Deutschlands mit H****s. Wir haben auch Glück mit unserem H****s-Boten. Er gleicht zwar keinem Götterboten, ist aber ein Sonnenschein und verlässlich – und er wechselt nicht täglich. Richtig old-school. Toll!

Schwierig wird es erst, wenn ich Pakete in die USA schicken möchte. Da wurde ich leichtsinnig und verschickte mit Dhl.  Lauter liebevoll Genähtes und geerbtes Spielzeug machte sich auf den Weg. Pünktlich zur Geburt eines neuen Erdenbürgers sollte es eintreffen.

Tja, seit anderhalb Monaten dümpelt es nun in irgendeinem Schwarzen Loch während ich Mails, Suchanträge und  Hotline-Anfragen hinterher schicke, die unbeantwortet wohl ebenfalls im Nichts landen.
Seufz. 


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