Sonntag, 25. September 2016

Sonntagssplitter # 35

"The past is a foreign country;
they do things differently there."

"Die Vergangenheit ist ein fremdes Land;
dort gelten andere Regeln."

Leslie Poles Hartley (aus "The Go-Between")

In dieser Woche habe ich mich hier rar gemacht, aber es stehen im Oktober zwei wichtige Geburtstage an, für die ich noch einiges an der Nähmaschine herstellen möchte. Fertig bin ich leider immer noch nicht. Seufz.

Dazwischen musste ich neben vielen Alltagsdingen auch unbedingt herbstlichen Ritualen frönen.


Kastaniensammeln: aber in Maßen. Als die Kinder im Kindergartenalter waren, habe ich so viele gesammelt, dass der Einkaufskorb voll war und mein Rücken noch tagelang weh tat... Diese hier nahm ich aber samt Stachelschale mit.


Kürbisgerichte kochen und mit Zierkürbissen dekorieren: Kürbissuppe, Ofenkürbis, Kürbissalat etc. Kommende Woche möchte ich ein Kürbisbrot backen. Meine Kürbisliebe ist erst vor rund zwanzig Jahren erwacht. Vorher kannte ich Kürbis nur süß-sauer eingelegt, und der zählt bis heute nicht zu meinen Favoriten (*grusel*).  


Herbstblumen ins Haus holen, Dahlien mag ich gerade ganz besonders gern. Derzeit sind es solche bäuerlichen Sträuße und die letzten Sonnenblumen. Fast vorbei ist die Zeit der selbstgepflückten Sommerblumensträußchen.


Dahlien schaue ich mir gerne an. Diese hier (Kazusa shiranami) gefällt mir auch dieses Jahr wieder am besten (ist das jetzt Beharrlichkeit, Treue oder Einfallslosigkeit ?) . Aber auch die untere finde ich bezaubernd.



Der Garten gleitet in den Herbst hinein, schenkt noch ein paar Tomaten, während die Trauben und Brombeeren die Vogelwelt sättigten. Und manches Blümlein fand auch andere Liebhaber.
Es gab Zeiten, da habe ich Schnecken abgesammelt. Das ist jetzt aber sehr lange her...  


Die Sonnenfreuden des Herbstes wollen ganz bewusst wahrgenommen werden. Wunderbar, dass dieses kleine Sonnenblumenfeld zum Selberpflücken noch so spät blüht. Damit hält es ja mit dem Wetter gleichauf.
Mir gefällt es gerade sehr gut. Frisch am Morgen und nicht mehr zu heiß am Tage.


Die Bäume sind unterschiedlich schnell mit dem Färben, dieser hier hat noch einiges vor. Ich freue mich schon auf das goldene Laub. Das ist eigentlich die schönste Zeit.


Herbstgemüse wächst leider nicht in meinem Garten, deshalb hole ich es vom Markt. Als Kind war ich ja nicht so der Fenchelfan... aber wir haben uns angefreundet im Lauf der Jahre.


Ah, das liegt ja noch eine Kastanie, also auch aufsammeln.
Anfang Oktober muss ich mal nachschauen, ob im Tessin schon die Maroni (Esskastanien) von den Bäumen fallen. Selbst gesammelt schmecken sie nämlich besonders lecker. Die hiesigen hängen noch oben.

Kommt gut in die neue Woche!

Samstag, 24. September 2016

Schon wieder nix mit goldenem Sonnenaufgang...

Der Herbst macht sich zusehends mehr breit in meinem Tagesablauf und schlägt mir immer wieder einmal ein Schnippchen. Sitze ich sehr zeitig frühmorgens im Auto und kämpfe mich durch den Konstanzer Dauerstau, dann versüßt er mir den Tagesbeginn mit dem herrlichsten goldenen Sonnenaufgang. Nur bin ich da geblendet am Steuer sitzend fototechnisch ziemlich eingeschränkt und denke mir zähneknirschend, dass man so etwas auch mal ohne Kamera genießen kann und schwöre insgeheim, am nächsten Morgen der aufsteigenden Sonne mit dem Fotoapparat an günstigster Stelle aufzulauern.

Klar, dass der Herbst dort am nächsten Morgen schon grinsend auf mich wartet und mir zuraunt,  dass ich doch letzthin von zauberhaften Frühnebelstimmungen geschwärmt hätte...

Recht hat er. Noch weiß ich, dass sich im Laufe des Vormittags die warme Herbstsonne wieder durchsetzt.



Gut, 11 Grad, mystisch, zauberhaft, Feenwelt.
Dem Grau lässt sich ja  viel Schönes abgewinnen, wenn sich der Himmel nachher wieder blau meliert präsentiert.
Also Blau mit zartem weißen Schleier, Sonne, angenehme Wärme, einfach herrlich...
Das drohende beharrliche hochneblige herbstliche Dauergrau über dem See verdränge ich zunächst einmal aus meinen Gedanken. Vielleicht fällt es dieses Jahr einfach mal aus.



Abends scheint das ganz große Himmelskino abgesetzt worden zu sein, oder liegt es daran, dass die Dämmerstundenrunde mit dem Hund der zunehmenden abendlichen Kühle und dem täglich zwei Minuten früher ablaufenden Sonnenuntergang zum Opfer fielen?



Höre ich da schon gewisse melancholische Töne mitschwingen? Nichts da! An diesem Wochenende wird Frühherbstwärme genossen!  Was ich am Herbst nicht mag, kann ich späterhin immernoch erzählen. Da schmiere ich ihm lieber noch ein bisschen Honig um den Bart - so zum "Gut-Wetter-machen"....


verlinkt bei Katjas Himmelssammlung  

Sonntag, 18. September 2016

Sonntagssplitter # 34



Herbsttag 

Herr, es ist Zeit,
Der Sommer war sehr groß,
Leg Deine Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein,
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke


Genossen: die (hoffentlich nicht letzten) spätsommer-frühherbstlichen Septembertage im Sonnenschein
Gewünscht: einen goldenen Herbst


Gesammelt: Sonnenuntergänge als Wintervorrat


Gefreut: über die prachtvollen Kürbisse, denen ich einfach nicht widerstehen kann


Gekauft: Zierkürbisse für die Tischdekoration und einen Muskatkürbis (ein Hokkaido liegt bereits im Keller...)


Gestaunt: Anbau von Biosojabohnen in der Nähe. Hier wächst also mein zukünftiger Tofu.


Gelaufen: auf versponnenen Wegen (aber die Holzfäller rücken schon wieder an. Grrrrr.)


Geärgert: dass die Vögel sich unsere Weintrauben einverleibt haben, nachdem sie einen Einschlupf im Netz gefunden haben.


Gesehen: die feinsten Spinnwebennetze, die den Herbst künden.


Geknipst: einen Schwarz-Weiß-Blick für Frauke
Genäht: ein Shirt für den Gatten, ein Geburtstagskleidchen für das kleine, lockige I.
Geschickt: ein großes Paket in die Staaten (siehe 12von12, das gestern bereits ankam, sic!)
Genervt: das ich meinen Portugiesisch-Kurs knicken kann.
Geschaut: (beim Bügeln) Alles eine Frage der Zeit   
Gelesen: Fritz Stern, Fünf Deutschland und ein Leben 
Gegessen: Feigen, Kürbis
Gehört: Lost boys von Ruth B.
Geordert: Warme Winterstoffe

Samstag, 17. September 2016

Ade Sonnenbank...

"Die Sonne geht flach und rot unter...
Dämmerung, ein violettes Dämmerlicht über Mandarinenhainen und langgestreckten Melonenfeldern,
die Sonne von einer Farbe wie ausgepresste Weintrauben,
durchbrochen von Burgunderrot,
die Felder in den Farben 
von Liebe und spanischen Mysterien."

Jack Kerouac (aus "Unterwegs")




ja, es sieht aus, als müssten wir uns nun allmählich von unseren Sonnenuntergangsfarben verabschieden. Der gestrige Abend, grau und nass, verführte nicht zu lauschigen Dämmerungsrunden. Auch der Hund rollte sich lieber im Körbchen ein. Es wird Herrrrrbst....

Eigentlich sind wir immer den Sonnenuntergang hineingelaufen. Warum haben wir uns nicht einmal hingesetzt und uns dem Schauspiel ganz hingegeben? Zum einen weil sich keine Sitzgelegenheit bot und zum anderen, weil sonst die Schnaken (regionaltypischer Begriff für die heimtückischen Stechmücken)  über uns hergefallen wären. Doch nun neigt sich die Zeit der kleinen Blutsaugern dem Ende zu und - endlich hatten wir in dieser Woche  das Glück, wenigstens einmal eine begehrte freie Sonnen(untergangs)bank zu erwischen. (Man trifft dort recht unterschiedliche Leute an, die sich für diesen Genuss noch einmal zur Dämmerstunde auf den Weg machen. Auch welche, die munter und kernig mit dem Geländewagen bis direkt davor rollen, oder andere, die sich von lieben Mitmenschen mit dem Rollstuhl über den holprigen Weg bis zur Aussichtsstelle schieben lassen.)


Die Sonne hat es gerade eilig, sich dem Horizont zu nähern, also müssen wir uns ein bisschen sputen. An der Pferdekoppel, den bunten Bienenhäusern, dem hohen Maisfeld und der Wiese vorbei, Sonne und Hegauvulkane immer im Blick.


Ha, ich glaub es nicht, tatsächlich, sie ist frei! Herr Holunder kontrolliert, ob die Hegauvulkane auch vollständig versammelt sind, während der Lockenhund  schon längst weiß, wer sich hier den Tag über herumgetrieben hat.
Leute, hinsetzen!!! Wer weiß, ob wir den Sonnenuntergang  in diesem September noch einmal so schön sommerwarm genießen dürfen.


Brav. Aber besser angeleint. Hier sagen sich auch Fuchs und Has' gleich gute Nacht...


Blick auf Radolfzell, den Markelfinger Winkel (Teil des Bodensees) und den Hegau. Schweigen...


Allmählich wird es dunkler und die Aufmerksamkeit des Lockenhundes wendet sich anderen Eindrücken zu. Ähem...


Okay, es mag kitschig sein -  wenn es vielleicht als Gemälde über dem Wohnzimmersofa hängt. Doch ich kann mich nicht satt sehen. Ich lass mich einnehmen von den Farben, dem Sinken, dem Zauber, der über der Landschaft liegt und plötzlich kommen mir die ganzen Querelen auf der Erde so unbedeutend vor. Was bilden wir Menschen uns eigentlich ein, von wegen "Krone der Schöpfung", ha?! Wir sind nichts als eine winzig kleine Randepisode auf einem Planeten, der um die Sonne kreist.      


Und jetzt schnell zurück, eh uns die Finsternis einholt.
Äh, das bezog sich jetzt auf die Abendrunde. Die Geschichte der Menschheit hangelt sich schon immer am Rande der Finsternis entlang... aber das ist eine andere Geschichte.

verlinkt bei Katjas samstäglicher Himmelsrunde.