Samstag, 25. März 2017

Schäfchensamstag


"I am the pink sheep of the family."

Alexander McQueen

Man hat momentan in der Natur das Gefühl, dass die Farben überall herausschießen, aber Pink blieb, um bei der Wahrheit zu bleiben, den Blumen vorbehalten...
Ich mag den Frühling, jeden Tag kann man Neues entdecken: den ersten Löwenzahn begrüßen, das Meer der Buschwindröschen im Wald wogen sehen, die verschiedenen Gelbtöne der Schlüsselblumen unterscheiden, dicke Veilchenbündel entdecken....

Seidelbast


Bevor ich einen steifen Nacken beim Bestaunen der Frühlingsblüten bekomme, blicke ich himmelwärts und freue mich am Schäfchenwolkenhimmel (an diesem Morgen noch saharastaubfrei...., )
Der Lockenhund und ich haben es gerade gar nicht eilig, wir wollten ja auch noch die vielen Lämmer beobachten. Witzig, angesichts unseres früheren Hütehundes wurden die Schafe immer sehr unruhig, der Lockenhund fällt wohl eher unter die Kategorie schafähnliches Objekt (hehehe, Jagdschaf würde ich mal sagen...)    



GEFREUT: dass ich wieder alleine mit dem Lockenhund Morgenrunden drehen kann.

GEMERKT: dass man sich nicht auf Fachärzte verlassen sollte, sondern sich immer selber schlau machen muss.

GEKAUFT: Blumen, feine Frühlingsshirts, Bücher    

GESEHEN: Fasane, Enten, Krähen (alles auf der Lieblingsliste des Lockenhundes....)  



GELESEN: begonnen - Charlie Jane Anders 'Alle Vögel unter dem Himmel'.

GEKNIPST: Schäfchenhimmel für Katjas Himmelsbilder und Blümchen....

GENÄHT: zwei Sommerkleider für die Lockenmädchen. Heute beginne ich mit zwei Sweatshirts.

GEZÄHLT: die Tage, in einer Woche kommen unsere Vermonter ! Dann geht es hier drunter und drüber...

GEPLANT: das große Umräumen, das Nähzimmer muss zum zweiten Gästezimmer werden. Sind ja nur ein paar Handgriffe. Zumindest theoretisch.


GEÄRGERT: über die Wettervorhersage. Ausgerechnet wenn die wintergeplagten Vermonter hier ankommen, schwächelt der Frühling ein bisschen.

GESUNGEN: eines meiner Lieblingslieder.  Wenn Ihr alle mitsingt, dann sollte das Frühlingswetter die ganze erste Aprilwoche durchhalten!

GELACHT: über diesen genialen französischen Werbespot (Sprachkenntnisse nicht notwendig ;-)


Vielleicht stellt mir meine Namensvetterin (oder heißt das Namensbase?) Andrea bei ihrem Samstagsplausch einen feinen erfrischenden Matcha-Tee auf den Tisch. Danach muss ich aber schnell wieder an die Nähmaschine eilen. Außerdem wird der Dachboden nach Kinderspielsachen durchforstet, Gästezimmer vorbereitet und eigentlich wollten wir doch auch noch ein paar Dinge im Garten tun. Oh oh... vielleicht sollten wir vorher eine Prioritätenliste anlegen . (Führt Ihr solche Listen, um Anstehendes auf die Reihe zu bekommen?)

Freitag, 24. März 2017

Freitagsblumen


Eines ist mal klar, aus mir wird keine Deko-Queen mehr (dafür habe ich aber das Chaos-Gen)... Als die Kinder klein waren, hatten wir eine schöne alte Kommode restauriert, auf dem wir mit Leidenschaft unseren "Jahreszeitentisch" pflegten. Die Kinder liebten es, kleine Schätze, Blümchen, Steine, Zapfen etc. von draußen mitzubringen und dort ins Bild einzufügen oder gemeinsam mit uns zu basteln. Und auch uns Eltern machte dies riesigen Spaß, denn wir beobachteten ja gemeinsam mit den Kindern den jahreszeitlichen Wechsel in der Natur und teilten mit ihnen unsere Entdeckungen.

Die Töchter sind längst ausgeflogen, aber immer noch wandern schöne Dinge aus der Natur auf die Kommode - in viel geringerer Zahl natürlich.
Aber immer stehen dort Blumen oder Äste. Noch sind es keine selbstgepflückten oder geschnittenen.
Doch ohne Blumen geht es gar nicht, ganz besonders nicht im Winter...



Weidenzweige brachte ich letzte Woche vom Markt, am Mittwoch entdeckte ich dort einen Blumenstand mit so feiner Auswahl, dass ich gleich zugreifen musste: Ranunkeln, Anemonen und Levkojen mit zartem Duft.


Während ich genau weiß, wo ich meine Sommersträuße kaufen oder selber pflücken kann. habe ich noch immer nicht den "Floristen meines Vertrauens" gefunden. 
Mal schauen, was sich in den nächsten Wochen so alles an diesem Blumenstand finden lässt und welche Erfahrungen ich mit den Sträußen so machen werde.  Ich gebe ja die Hoffnung nicht auf.
Wenn ich zufrieden mit den Pflanzen und der Beratung bin, dann bleibe ich gern als sehr treue Kundin. 


Da habe ich es doch tatsächlich mal wieder zum Friday-Flowerday geschafft.

Sonntag, 19. März 2017

Dominic Smith: Das letzte Bild der Sara de Vos {Bücherwelt}

Bei manchem Buch verleitet mich schon das Cover, die ersten Seiten aufzuschlagen. Es macht Andeutungen, lässt innere Bilder aufkommen, führt schon in ein Zeitalter, packt mich und zieht mich hinein...
Hat es zu viel versprochen? Nein, ganz und gar nicht!



Wie mit einem feinen Pinsel gemalt

Der Buchumschlag des Romans "Das letzte Bild der Sara de Vos" von Dominic Smith lockt nicht nur mit dem optischen Eindruck, als würde man ein Stück leinwandartigen Stoff beiseite schieben, um zu dem Bild zu gelangen, sondern auch mit dem taktilen Gefühl, wenn man mit der Hand über den Einband streicht.

Das macht neugierig und ist geschickt gewählt, denn sogleich wird das Gemälde ins Zentrum gerückt, man fühlt sich für einem Moment ins Museum versetzt, wenn zu Beginn des Romans die Kurzbeschreibung und die Daten eines holländischen Gemäldes wie auf einem Schildchen zu lesen ist: "Am Saum des Waldes" von Sara de Vos.
Anders als im Museum hat man das Bild nicht konkret an der Wand hängen, doch dank der  so exakten und ausdrucksstarken Beschreibung erscheint es förmlich vor Augen. Gleich fragt sich der Leser: was hat es mit dem Mädchen am Waldsaum auf sich?
Das Gemälde wird Sara de Vos zugeschrieben, des ersten weiblichen Mitglieds der berühmten Haarlemer Lukas-Gilde, welche alle  Aspekte  des künstlerischen Lebens im Holland der damaligen Zeit bestimmte. Auch Rembrandt, Hals und Vermeer gehörten der Gilde an. Als reales Vorbild der fiktiven Sara de Vos  diente dem Autor D. Smith die Malerin Sarah von Baalbergen, von der aber kein Werk mehr nachweisbar ist.

Es ist das sogenannte "Goldene Zeitalter" der Niederlande, eine rund hundert Jahre währende einzigartige wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit im 17. Jahrhundert, in dem mehrere Millionen von Gemälden im Land entstanden. Eine schier beispiellose Epoche der europäischen Kunstgeschichte.  So verankert lassen wir uns ein in die Geschichte des Gemäldes und seiner Malerin, die sich im Folgenden verbindet mit dem Leben seines reichen amerikanischen  Besitzers im 20. Jahrhundert und einer fatalen Entscheidung einer jungen Studentin der Kunstgeschichte.

In seinem dreistöckigen Penthouse mit Blick auf den Central Park lebt der Patentanwalt Marty de Groot mit holländischen Wurzeln inmitten seines über Jahrhunderte ererbten Wohlstands und über Generationen gesammelter Kunstwerke, allen voran die Sammlung holländischer Gemälde aus dem 17. Jahrhundert. Es fühlt sich steif und stickig an, in dieser wohlhabenden Residenz des ungewollt kinderlosen Ehepaars de Groot.
Über ihrem Ehebett hängt besagtes letztes Bild der Sara de Vos, bedacht von Martys abergläubischer Schuldzuschreibung sämtlicher negativer Ereignisse. So wurde kein De Groot älter als 60 Jahre seit das Werk vor 300 Jahren in Familienbesitz gelangte.

Doch im Herbst 1957 wird das Gemälde von Unbekannten heimlich entwendet und durch eine so akribisch genaue Fälschung ersetzt, dass es De Groot erst ein halbes Jahr später entdeckt und daraufhin einen Privatdetektiv engagiert. Dieser führt ihn auf die Spur einer jungen Kunststudentin.

Die Australierin Ellie Shipley machte am Courtauld Institute in London eine Ausbildung zur Kunstrestauratorin, nahm dann aber das Studium der Kunstgeschichte auf. Die Tatsache, dass nicht die Begabung, sondern das Geschlecht ausschlaggebend für die Zuteilung von Aufträgen war, hat sie desillusioniert. Anstatt jetzt endlich ihre Doktorarbeit abzuschließen, hockt sie in ihrem desolaten Brooklyner  Zimmerchen, lebt und malt wie Maler des "Goldenen Zeitalters" und scheut auch nicht davor zurück, dafür Kaninchenfell u.ä. für kleinere  Restaurierungsaufträge auf ihrem Herd zu kochen.
Als ihr ein Kunsthändler ein Foto des Gemäldes der Sara de Vos mit der Bitte um eine Kopie zeigt, ist es nicht das finanzielle Angebot, was sie lockt, sondern die Faszination des Werkes.
Das Kopieren wird zu einer neuen Form von künstlerischer Annäherung, voller Hingabe, in der sie mit der historischen Malerin fast verschmilzt.
Dass sie nun Anteil an einer kriminellen Kunstfälschung hat, schiebt sie eher zur Seite.

Dass Sara de Vos'  Gemälde so eine Faszination ausübt, mag an seiner Entstehungsgeschichte liegen. Denn Sara, eigentlich für Stillleben ausgebildet, malt dieses Landschaftsbild aus Kummer und Verzweiflung nach dem Tod ihres kleinen Kindes, der den Niedergang der Familie einleitet. Ihre Person bleibt in meinen Augen leider blasser und weniger vielschichtig. Auch ihre Position im damaligen Kunstschaffen ist mir zu grob angedeutet. Da hatte ich mir mehr erhofft.

Drei Zeitebenen werden kunstvoll im Roman verwoben:
- Niederlande um 1637, die bewegenden und tragischen Jahre im Leben der Sara de Vos, die sich in ihrem künstlerischen Schaffen niederschlagen
- New York 1957/58, der Zeit von Fälschung und Raub
- Sydney 2000, das Jahr, in dem alle Fäden wieder zusammengeführt werden.

Auf spannende Art kreuzen sich die Wege von Fälschung und Original, von Marty und Ellie mehrmals. Die Geschichte des Gemäldes überwindet Jahrhunderte und drei Kontinente und verknüpft das Leben der Protagonisten auf unterschiedlichste Art miteinander.

Der Autor Dominic Smith, in Australien geboren und in Texas lebend, legt seinen Roman wie ein Gemälde an, legt Schicht auf Schicht, beschreibt präzise, wie mit einem feinen Pinsel. Seine Darstellung von der Entstehung eines Gemäldes und seines Geheimnisses sind sehr beeindruckend: von der Herstellung der Farbe und der Leinwand, dem künstlerischen Entwurf, der Rolle des Lichts, des Farbauftrags bis hin zum Handel mit Kunst und zum Fälschen.  
Nie wird einem dabei langweilig bei der originellen und lebhaften Darstellung, die so eng mit der Handlung verwoben ist.

Es sind die kleinen Entscheidungen im Leben der Protagonisten, die für dessen weiteren Verlauf von Bedeutung sein werden und sei es nur, wie das Gelb auf der Palette angemischt wird.

Original und Fälschungen, Wahrheit und Unaufrichtigkeit, Täuschung und Enttäuschung sind große Themen des Romans. Am Ende heißt es für alle Protagonisten, sich den Fälschungen, Lügen und Versäumnissen seines Lebens zu stellen, daran - notfalls im letzten Moment - zu arbeiten, Wendungen einzuleiten, Schicksalsknoten aufzulösen - und sich für Unerwartetes zu öffnen.

Dominic Smith, der in Australien geboren wurde, nun in Texas lebt, hat mich mit seinem vierten Roman rasch in seinen Bann gezogen.
Zwar habe ich mir über die Figur der Sara de Vos noch mehr Einblicke in das Leben einer Malerin im holländischen "Goldenen Zeitalter" erhofft, bin aber sehr zufrieden mit der spannenden, vielschichtigen Handlung.

Sehr empfehlenswert.

Dominic Smith: Das letzte Bild der Sara de Vos. Ullstein Verlag, übersetzt von Sabine Roth

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.  

Samstag, 18. März 2017

Jugendstilhimmel {samstagsplausch}


GESUCHT: den Frühling in der Stadt
GELESEN: Dominic Smith "Das letzte Bild der Sara de Vos", schwer begeistert, Rezension folgt in Kürze
GEKAUFT: einen Frühlingspullover in einem neuen Lieblingsladen in der Altstadt (ich kenne den Versand seit drei Jahrzehnten, jetzt hat er eine Filiale in unserer Stadt, hurra!)
GEGUCKT: ständig nach oben, weil das Himmelsblau einfach zu schön war. Am allerschönsten passte es zum Jugendstil



"Beruf des Storches

Der Storch, der sich von Frosch und Wurm
An unserm Teiche nähret, 
Was nistet er auf dem Kirchturm,
Wo er nicht hingehöret?

Dort klappt und klappert er genug,
Verdrießlich anzuhören;
Doch wagt es weder alt noch jung,
Ihm in dem Nest zu stören.

Wodurch - gesagt mit Reverenz -
Kann er sein Recht beweisen,
Als durch die löbliche Tendenz,
Aufs Kirchendach zu ... "

Johann Wolfgang zu Goethe



GEHÖRT: das Klappern der Störche, vollkommen unverdrießlich, nicht auf dem Kirchturm, sondern auf dem Scheunendach der Tierärztin
GEBRANNT: an der ersten Brennessel
GENERVT: dass der dumme Lockenhund vor lauter Fixieren von Enten und Blässhühnern vergisst, selber den See zu genießen.
GEZÄHLT: das erste Buschwindröschen, das erste Veilchen, die erste Brennnessel...



GENÄHT:  einen poetischen, frühlingshaften "Rilke-Rock" für das große Lockenmädchen und schon die Hälfte eines Kleidchens
GEFREUT: dass sich wieder so viele kreative Überraschungen beim der Eye - Poetry # 02 ergeben haben. Ich bin jedesmal begeistert über die unterschiedlichsten künstlerischen Interpretationen, wow!
GEFUNDEN: ein feines Ringelnatz-Gedicht für die Eye - Poetry # 03
GESTÖHNT: über weitere Arztbesuche,..
GEHOLT: voller Freude aus dem Briefkasten zwei wunderfeine Karten von ihr und ihr, danke meine beiden Lieben!



GELIEBT: den Auftritt von Mary Ray und ihren beiden Hunden bei den Crufts in England. Wahnsinn, dieses Dogdancing-Stück müsst Ihr Euch anschauen. Mit welcher Begeisterung die Hunde dabei sind!! Es erinnert mich an meine Aussie-Hündin, die mit großer Leidenschaft etliche Dogdancing-Tricks und Abläufe gelernt hatte und bis ins hohe Alter beherrschte.

GELACHT: habe ich über diesen kleinen Rettungshund Olly, ein Jack Russell, der bei den Crufts (Rescue dog agility) auch mal über den Agility-Parcours laufen durfte und die Herzen des Publikums eroberte - ganz ohne perfekte Schur, besten Standard, höchste Perfektion oder so. Das kleine Kerlchen hatte den Tag seines Lebens...

GEKNIPST: Knallblauen Himmel. Aber dann kamen gestern die Wolken und schoben sich vor die Sonne. Naja, immerhin habe ich ja für Katjas samstägliche Himmelsschau diesen Jugendstilazurhimmel und den Umschwung Richtung Wochenendhimmel:


Am Wochenanfang berichtete die mittlere Tochter noch vom Schneesturm über Vermont, nächste Woche schnellen dann auch dort die Temperaturen auf frühlingshafte Werte.
Mir waren die Temperaturen um die 16 Grad letzte Woche fast schon zu warm.
Gemach, gemach, es muss doch nicht gleich wieder der große Schalter direkt auf Sommer umgelegt werden!!
Geht Euch das auch so?
Diese Frage werfe ich gleich mal bei Andreas Samstagsplausch in die Runde.